Spekulation und Investition II

Dieser Beitrag dient dazu, dem Leser die besondere Differenzierung von Spekulation und Investition verständlich zu machen und jenen somit dazu zu befähigen, gezieltere Anlagestrategien zu entwerfen bzw. sein Anlageverhalten effizienter zu reflektieren. Teil 1 beschäftigt sich mit der allgemeinen Differenzierung. Die Lesezeit beträgt circa 10min.

Im Rahmen des ersten Beitrags wurden Spekulation und Investition scharf voneinander abgegrenzt und dem Leser grundsätzlich zu einer Anlagestrategie im Sinne der Investition geraten. In der Praxis verschwimmen die Grenzen jedoch regelmäßig. Anlagestrategien mit dem Schwerpunkt Investition, ergänzt durch spekulative Elemente, können immense Vorteile mit sich bringen. Sie ermöglichen es dem Anleger unter anderem, sein Verlustrisiko durch erhöhte Kapitalsicherheit zu minimieren und sein Portfolio zugleich dem Zufall in Form von „Schwarzer-Schwan-Ereignissen“ aussetzen. Im Weiteren ist Investition nicht gleich Investition und Spekulation nicht gleich Spekulation. Beide Anlagegattungen bedürfen einer weiteren Aufgliederung bzw. einer präziseren Darstellung. 

Arten der Investition

Investition beschreibt die qualitativ und quantitativ gerechtfertigte Kapitalanlage. 

In der betriebs- und volkswirtschaftlichen Literatur findet eine Untergliederung des Oberbegriffs der Investition nach der Art des Investmentobjekts und der angestrebten Wirkung statt.1 Dabei kann ein Investmentobjekt oft auch mehreren Kategorien zugeordnet werden. Im Folgenden werden die grundlegenden Investitionstypen vereinfacht vorgestellt.

Kategorisierung nach Investmentobjekt

Finanzinvestitionen stellen den Erwerb von Wertpapieren und ähnlichen Beteiligungs- bzw. Forderungsrechten wie z.B. Anleihen oder unterschiedlichen Derivaten dar. Die Finanzinvestition ist damit der Klassiker unter den unterschiedlichen Investitionsarten.

Die Sachinvestition konzentriert sich hingegen auf die Beschaffung des Sachanlagevermögens in Form von Immobilien, Arbeitsmitteln und Rohstoffen.

Unter Immaterielle Investitionen fallen unter anderem der allgemeine Erwerb von Rechten, die Personalfortbildung und Marketingausgaben. Sie ist schwer mit konkreten Zahlen bezüglich des Preis/Wert-Verhältnisses zu erfassen, weil die Kausalität zwischen Ursache und Wirkung aufgrund der zahlreichen Marktvariablen regelmäßig nicht hinreichend überprüft werden kann. Ein identischer Input in identische Marketingkampagnen hat nicht zwangsläufig einen identischen Output zur Folge. Eine quantitative Rechtfertigung fällt mithin schwerer. Der Analyst muss hier daher auf Erfahrung aus der Vergangenheit zählen und sich überwiegend auf subjektive qualitative Faktoren stützen.

Kategorisierung nach Investmentzweck

Der Aktienanalyst muss die Kapitalallokation eines Unternehmens nachvollziehen und beurteilen können. Soll das Unternehmen beschädigte Produktionsmittel ersetzen (Ersatzinvestition), ein neueres leistungsfähigeres Produktionsmittel erwerben (Rationalisierungsinvestition), einen neuen Markt erschließen (Diversifizierungsinvestition), das Produktionsverhältnis verändern (Umstellungsinvestition) oder lieber sein Kapital in bestimmte Staatsanleihen oder Edelmetalle investieren (Sicherungsinvestition)?

Eine einmalige Investition (Nettoinvestition) kann z.B. im Rahmen einer Gründungsinvestition stattfinden. Die wiederholte Investition in das Unternehmen, um z.B. neue Produktionsmittel zu erwerben, wird Re-Investition genannt.

Anhand der Investitionsarten kann der Analyst systematisch Untersuchungen vornehmen. Er kann auf diese Weise z.B. zu dem Schluss gelangen, dass ein Unternehmen sehr liquide ist, aber sein Management dazu neigt sich zu Verdiversifizieren und dadurch regelmäßig das Kerngeschäft überlastet. Diese unterschiedlichen Komponenten bedürfen wiederum einer gezielten Gewichtung durch den Analysten.

Arten der Spekulation

Spekulation beschreibt die auf einer, die zukünftige Entwicklung betreffenden, Vermutung basierende Anlage. 

Benjamin Graham unterscheidet zwischen unintelligenter und intelligenter Spekulation.2 Er definiert dabei die intelligente Spekulation dabei als „Übernahme eines Risikos, das nach sorgsamer Abwägung von Für und Wider gerechtfertigt ist“ und die unintelligente Spekulation als „Übernahme von Risiken ohne adäquate Situationsanalyse“. 

Er weist damit darauf hin, dass auch der auf einer Vermutung basierende Erwerb eines risikobehafteten Finanzierungstitels gerechtfertigt sein kann, soweit der Händler sich dieses Risikos bewusst ist und sich im Rahmen einer Abwägung, möglicherweise wegen eines exorbitant hohen potentiellen Gewinns bzw. Erwartungswerts, für den Kauf entschieden hat. 

Nicht gerechtfertigt und damit unintelligent wäre gemäß Graham der Erwerb eines beliebigen Finanzierungstitels ohne Abwägung und Faktencheck aufgrund der bloßen Vermutung, dass dieser wahrscheinlich in Zukunft an Wert gewinnen wird. 

Mischformen

Der Erwerb eines einzelnen Anlageobjektes kann unter Umständen nicht ohne Weiteres einer bestimmten Anlagegattung zugeordnet werden. So ist nicht ausgeschlossen, dass es sowohl einen Spekulations- als auch einen Investitionsanteil enthält. Der Kauf eines Anlageobjektes kann bis zu einem bestimmten definierbaren Prozentsatz des Preises sowohl qualitativ als auch quantitativ und darüber hinaus durch eine sorgsame Abwägung gerechtfertigt sein.3 Der Anleger sollte sich einer solchen möglichen Überlagerung von Spekulation und Investition bewusst sein und sich selbst, sowie seine Anlageobjekte, kritisch hinterfragen. Wie eine Anlagestrategie durch eine bewusste Kombination der beiden Gattungen mit mehreren Investmentobjekten funktioniert, wird in einem gesonderten Beitrag erläutert.

Fazit

Zusammenfassend muss betont werden, dass eine Differenzierung zwischen Investition und Spekulation für ein präzises Marktverständnis von großer Bedeutung ist. Eine Trennung der beiden Gattungen ist oft nicht ohne Weiteres möglich und keine der beiden Anlagemethoden ist der anderen pauschal in jeder Situation überlegen. Für den geübten Anleger eignet sich daher unter Umständen am ehesten eine Kombinationsstrategie mit Investmentschwerpunkt.

Überprüfungsfragen:

  1. Welche Kategorien finden bezüglich der Investition Anwendung?
  2. Welchen Zweck hat diese Kategorisierung?
  3. Welche Kategorien finden bezüglich der Spekulation Anwendung?
  4. Wie funktioniert das Konzept der Mischformen in einem einzelnen Anlageobjekt?

Literaturempfehlungen:

Benjamin Graham: Die Geheimnisse der Wertpapieranalyse, 6. Auflage, München 2018; Intelligent investieren, 10. Auflage, München 2005 

Klaus Olfert: Investition, 14. Auflage, Herne, Kiehl 2019

  1. Vgl. Investition, Olfert.
  2. Graham, Wertpapieranalyse, S. 80f.
  3. Graham, Wertpapieranalyse, S. 80f.

2 Kommentare zu „Spekulation und Investition II“

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