Derivative Finanzinstrumente: Spreads, Straddles, Strangles & Co.

Dieser Beitrag knüpft an den Artikel „Einführung in derivative Finanzinstrumente“ an und soll als Einführung in den Bereich der Optionsstrategien fungieren. Die Lesezeit beträgt circa 15min.

Einführung

Derivate sind an einen konkreten Basiswert (Underlying) gekoppelte Termingeschäfte.1 Sie werden in Optionen (Puts und Calls) und Terminfixgeschäfte (Futures und Forwards) unterteilt. In „Einführung in derivative Finanzinstrumente“ wurde bereits der Handel mit naked Puts und Calls beschrieben, dieser Beitrag knüpft daran an und befasst sich mit risikominimierenden und potentiell gewinnmaximierenden Optionsstrategien. Die relevantesten Kombinationsmöglichkeiten sind Spreads, Straddles, Strangles und Combinations.2 Auf eine ausführliche Darstellung von spezielleren Strategien wie Butterflies, Condors, Strips und Straps wird aus Gründen des einführenden Charakters des Beitrags verzichtet, eine grundlegende Behandlung findet aus Vollständigkeitsgründen jedoch statt.

Spreads

Spreads stellen die grundlegendste Kombinationsstrategie dar. Im Rahmen eines Spreads werden zwei Optionen gleichen Typs (Puts oder Calls) auf das selbe Underlying angesetzt. Unterschieden wird dabei zwischen einem horizontalen Time Spread (unterschiedliche Laufzeiten) und einem vertikalen Price Spread (unterschiedliche Basispreise).3 Vertikale Spreads finden dabei häufiger Anwendung.

Bull Put Price Spread

Bull Put Price Spreads werden benutzt, um auf einen steigenden Kurs des Underlyings zu setzen. Sie bestehen aus einer Short Put Position und einer Long Put Position mit einem niedrigeren Strikewert. Wenn der Kurs wie erwartet steigt, verfallen beide Puts (OTM) und der Gewinn des Händlers ist die vereinnahmte Prämie. Bei fallenden Kursen sichert der gekaufte Put den verkauften und begrenzt die Verluste auf die Differenz der Basispreise.

Bear Call Price Spread

Bear Call Price Spreads werden benutzt um auf einen fallenden Kurs des Underlyings zu setzen. Sie bestehen aus einer einem Short Call und einem Long Call mit einem höheren Strike. Wenn der Kurs wie erwartet sinkt, verfallen beide Calls (OTM) und der Gewinn des Händlers beträgt die Differenz zwischen den Basispreisen des Short und des Long Calls. Sollte der Kurs wider Erwarten steigen, werden beide Optionen ausgeübt (ITM) und der Verlust des Händlers beläuft sich auf die Differenz zwischen dem verkauften und dem gekauftem Call.

Spreads begrenzen den Verlust, aber auch den Gewinn. Sie sind daher eine robuste Handelsstrategie.4

Strangles

Strangles bieten dem Händler die Chance, spezifisch auf die Volatilität eines konkreten Underlyings einzugehen.

Long Strangle

Ein Long Strangle besteht aus einem gekauften Put mit einem Strike unter dem Kurs des Underlyings und einem gekauften Call mit einem Strike über dem Kurs des Underlyings. Der Händler profitiert von Ausschlägen in beide Richtungen und verliert maximal die Summe beider Optionsprämien. Diese Strategie ist daher konvex.

Short Strangle

Ein Short Strangle besteht aus einem verkauften Call mit einem Strike über dem Kurs des Underlyings und einem verkauften Put mit einem Strike unter dem Kurs des Underlyings. Der Gewinn des Händlers ist auf die Summe beider Optionsprämien beschränkt. Der Verlust ist im Rahmen seines Short Puts auf den relativen Wert des Underlyings begrenzt, während das Risiko des Short Calls unbegrenzt ist. Diese Strategie ist daher konkav.

Iron Condor

Über 75% aller Optionen sind am Verfallstag OTM, verfallen also wertlos.5 Um von diesem statistischen Vorteil profitieren zu können und sich dennoch nicht marktkonkav zu positionieren, kann der Händler sein Verlustrisiko mit einer Modifikation des Strangles begrenzen. Durch die Absicherung seines Short Puts mit einem Long Put mit niedrigerem Strike (Bull Put Price Spread) und seines Short Calls mit einem Long Call mit höherem Strike (Bear Call Price Spread) entsteht ein Iron Condor. Dieser ermöglicht es dem Händler seine Short Volatility Position einzugehen, die Konkavität herauszunehmen und so regelmäßig kleine Gewinne einzufahren. Eine Kombination des robusten Iron Condors (80%) und dem Long Volatility Strangle (20%) könnte eine interessante Hantelstrategie ergeben.6

Straddles

Straddles erlauben es dem Händler ebenfalls auf die Volatilität eines konkreten Underlyings einzugehen. Sie stellen dabei jedoch einen konträren Ansatz zu der Eingrenzungssystematik des Strangles dar.

Long Straddle

Ein Long Straddle besteht aus einem Long Put und einem Long Call mit identischem Strike. Wenn der Kurs des Underlyings nun in eine Richtung ausschlägt, ist eine der beiden Optionen ITM und die andere OTM. Sollte der Kurs des Underlyings auf den exakten Strike fallen, würden beide Optionen wertlos verfallen (ATM). Interessant im Vergleich zum Strangle ist, dass der Straddle eine grundsätzlich größere Range bzw. einen potentiell kleineren toten Winkel hat. Der potentielle Gewinn des Händlers ist theoretisch nach oben offen, während sein Verlust auf die Höhe der beiden Optionsprämien begrenzt ist. Long Straddles sind daher konvex.

Short Straddle

Short Straddles bestehen aus einem Short Put und einem Short Call mit identischem Strike. Der Gewinn des Händlers ist auf die beiden Optionsprämien begrenzt, während der Verlust je nach Szenario mit dem relativen Wert des Underlyings begrenzt (Short Put) oder nach oben offen ist (Short Call). Der Short Straddle ist daher konkav. Um diese Konkavität zu beseitigen, könnte der Händler seinen Short Put mit einem Long Put mit einem niedrigeren Strike (Bull Put Price Spread) und seinen Short Call mit einem Long Call mit einem höheren Strike (Bear Call Price Spread) absichern. Auch hier bietet sich eine mögliche Hantelstrategie an.

Combinations

Combinations werden genutzt um Risikoprofile von Aktien künstlich nachzubilden.7

Long Combination

Im Rahmen einer Long Combination setzt der Händler auf steigende Kurse. Die Long Combination besteht aus einem Long Call und einem Short Put. Wenn das Underlying im Wert steigt, wird der verkaufte Put wertlos verfallen (OTM), während der Händler seinen Call ausüben kann (ITM). Der Gewinn beläuft sich auf die Differenz der gezahlten Optionsprämie und dem Kurswert des Underlyings, plus der eingenommenen Prämie. Sollte das Underlying hingegen im Wert sinken, würde der gekaufte Call wertlos verfallen (OTM) und der Käufer des Puts würde diesen ausüben, wenn er ITM ist. Der Verlust des Händlers wäre daher seine gezahlte Optionsprämie, sowie die Differenz zwischen der erhaltenen Optionsprämie und dem Kurswert des Underlyings. Da der Händler einen Put verkauft hat, ist sein Verlust mit dem relativen Wert des Underlyings gedeckelt. Diese Handelsstragie ist daher bedingt konvex.

Short Combination

Im Rahmen einer Short Combination setzt der Händler auf fallende Kurse. Die Short Combination besteht aus einem Short Call und einem Long Put. Sollten die Kurse sinken wird der Call wertlos verfallen (OTM), während der Händler den Put ausüben würde. Wenn die Kurse jedoch steigen, würde der Put wertlos verfallen (OTM) und der Käufer seinen Call ausüben. Der Verlust durch den Short Call ist theoretisch unbegrenzt. Diese Strategie ist daher konkav.

Combinations sind eine interessante Handelstechnik, aufgrund ihrer Unilateralität jedoch anfällig für Schwarze Schwäne.

Weitere

Strips und Straps

Long Strips bestehen aus zwei Long Puts und einem Long Call. Diese Position hilft dem Händler von fallenden Kursen zu profitieren. Sollten diese entgegen der Marktmeinung des Händlers dennoch steigen, hat dieser unter Umständen die Möglichkeit seinen ITM Call auszuüben und so mindestens die Optionsprämien der beiden Puts zu kompensieren. Gleichzeitig ist der Gesamtverlust auf die Summe der drei Prämien begrenzt. Diese Strategie ist somit konvex.

Short Strips bestehen aus zwei Short Puts und einem Short Call. Sie helfen dem Händler von steigenden Kursen zu profitieren. Im Falle von fallenden Kursen kompensiert die Prämie des verkauften Calls einen Teil des Gesamtverlustes. Diese Strategie ist konkav und bedarf daher weiterer Absicherung.

Straps bestehen aus zwei gekauften/verkauften Calls und einem Put. Sie sind mithin ähnlich wie Strips zu bewerten. Es gilt jedoch hinzuzufügen, dass zwei Long Calls grundsätzlich ein deutlich höheres Gesamtrisiko beinhalten, als zwei verkaufte Puts oder ein verkaufter Call.

Butterflies

Ein Butterfly besteht grundsätzlich aus vier Optionen. Dabei kann der Händler entweder zwei Puts kaufen und zwei verkaufen oder zwei Calls kaufen und zwei verkaufen. Je nach Zielsetzung können dabei die Strikes der Long Positionen die der Short Positionen umgrenzen oder umgekehrt. Eine detaillierte Auseinandersetzung mit Butterflies muss aufgrund ihrer vergleichsmäßig geringen praktischen Relevanz an anderer Stelle stattfinden.

Konkludierend kann gesagt werden, dass Optionen dem Händler eine Möglichkeit geben, sich konvex bzw. robust und flexibel im Markt zu positionieren. Die Makrostrategie beschränkt sich dabei nicht auf eine simple Kombination von Calls und Puts, sondern kann sich auch aus Condors, Straddles und Co. zusammensetzen. Optionsstrategien können jedoch auch verwirrend sein und sollten daher nur angewendet werden, wenn sie hinreichend verinnerlicht worden sind.

Überprüfungsfragen:

  1. Was sind Derivate?
  2. Wie funktioniert ein Bear Call Price Spread?
  3. Was ist ein Iron Condor?
  4. Was ist problematisch an einem Short Strap?
  5. Wie wird eine Short Put Position abgesichert?

Literaturempfehlungen:

Jürgen Tietze: Einführung in die Finanzmathematik, 12. Auflage, Wiesbaden 2015

Jens Rabe, Kai Skoruppa: Optionsstrategien für die Praxis, 5. Auflage, Kulmbach 2019

Nassim Nicholas Taleb: Dynamic Hedging: Managing Vanilla and Exotic Options, New Jersey 1997

Kommentar des Autors:

Die Grafiken stellen die jeweiligen Risikoprofile der Handelsstrategien dar.

  1. Vgl. Tietze, Finanzmathematik, S. 352.
  2. Tietze, Finanzmathematik, S. 381.
  3. Vgl. Tietze, Finanzmathematik, S.372.
  4. siehe Antifragilität.
  5. Rabe & Skoruppa, Optionsstrategien, S. 117ff. m.w.N.
  6. siehe Nassim Taleb: Antifragilität Anleitung für eine Welt, die wir nicht verstehen, München 2018; Der Schwarze Schwan. Die Macht höchst unwahrscheinlicher Ereignisse, München 2018.
  7. Combinations werden mithin auch Synthetic Long/Short Stock genannt.

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